Archiv der Kategorie: Pflege Politik

Sorry

Bei Anruf „Sorry“

Der Personalmangel in der Pflege führt längst zu einem Angebotsmangel. So gut wie alle Pflegeeinrichtungen arbeiten an der Belastungsgrenze, viele haben bereits ihre Versorgungskapazitäten reduzieren müssen, weil das Personal fehlt und Refinanzierungen unklar sind.

Die Folge: Viel zu oft müssen Pflegeeinrichtungen „Sorry“ sagen und Versorgungsanfragen ablehnen. Pflegebedürftige und ihre Familien bleiben mit der herausfordernden Situation alleine…..
Link zum Artikel: https://www.bpa.de/news-fachinformationen/news/news/bpa-und-wir-pflegen-ev-starten-kampagne-bei-anruf-sorry

https://www.beianrufsorry.de

Sorry we are closed

Fast 70 Prozent der Pflegeeinrichtungen wirtschaftlich bedroht

Fast 70 Prozent der Pflegeeinrichtungen in Deutschland sehen ihre wirtschaftliche Existenz derzeit bedroht. Das hat eine Blitzumfrage des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) unter knapp 2.500 Pflegeheimen, ambulanten Diensten und teilstationären Einrichtungen ergeben.

„Die Pflegeunternehmen haben in großer Zahl betont, dass sie Sorge um die eigene wirtschaftliche Zukunft haben oder sogar schon von ihren Steuerberatern gewarnt wurden“, sagt bpa-Präsident Bernd Meurer. „Hier bahnt sich eine Katastrophe für die Gesellschaft an.“

https://www.bpa.de/Aktuelles.112.0.html?&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=11561&cHash=55d75dcf72f04965154881334bc40ac7

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F1 Taste

Chaos Computer Club bewahrt Krankenkassen vor 400 Millionen Euro Zusatzausgaben.

Erst einmal Danke an der CCC. Eine einfache und geniale Lösung führt dazu, dass die Kassen diese hohe Summe nicht an die Firma gematik gezahlt werden muss.

Was ist passiert?
Die Firma gematik wollte alle 5 Jahre, die speziellen Router in allen deutschen Arztpraxen, austauschen. Eine andere Lösung gäbe es nicht.
Der CCC hat einen Patch kostenlos zur Verfügung gestellt, der das Problem jetzt und in Zukunft löst!

Zur Verbindung mit dem Gesundheitsdatennetz „Telematik“ sind in deutschen Arztpraxen spezielle Router vorgeschrieben. Nach nur fünf Jahren Laufzeit soll nun ein Gerätetausch alternativlos sein – so zumindest die Hersteller. Dieser Tausch soll das ohnehin angeschlagene Gesundheitssystem mit Mehrkosten von rund 400 Millionen Euro belasten. Der Chaos Computer Club (CCC) zeigt, dass der teure Hardware-Tausch alles andere als nötig ist, und spendiert kostenlos eine Lösung für das Problem.

https://www.ccc.de/de/updates/2022/konnektoren-400-millionen-geschenk

Auf den Seiten des CCC sind die Einzelheiten erklärt. Es ist toll, was der Club immer wieder aufdeckt. Dort gibt es noch viel mehr Enthüllungen zum Thema gematik und Telematik Infrastruktur. Diese betrifft nämlich nicht nur die Ärzte, sondern auch bald alle Pflegedienste und Altenheime. Mal sehen, was sich die gematik dann einfallen lässt, um uns alle um viel Geld zu bringen?

Hier ein paar Links:
E-Rezept: Sicherheit nicht ausreichend, Datenschutz mangelhaft
Geplantes Patientendaten-Schutz-Gesetz schützt Patientendaten nicht
CCC diagnostiziert Schwachstellen im deutschen Gesundheitsnetzwerk
Konnektortausch: technische Hintergründe zum Appell an Karl Lauterbach (Heise.de)
Spahn hat Privatwohnung von Leyck Dieken gekauft (Spahn hat, damals noch Bundesgesundheitsminister, Dr. Markus Leyck Dieken zum Chef der gematik ernannt).

we are closed by aok hessen

Massive Verzögerung durch die AOK Hessen bei der Bearbeitung von Vergütungsvereinbarungen

Seit dem 1. September gilt in ganz Deutschland die Tariftreueregelung nach dem GVWG, wonach wir als Pflegedienst verpflichtet sind, unsere Pflege- und Betreuungskräfte tariftreu zu entlohnen. Das ist richtig so und das haben unsere Mitarbeitenden auch verdient. Die Verpflichtung der AOK Hessen ist es, für die Refinanzierung zu sorgen. Das tut diese aber nicht in ausreichendem Maße.

Nach nunmehr zwei Monaten (und zwei Gehaltszyklen) stellen wir fest, dass

– die Refinanzierung in fast allen Bundesländern komplett oder doch weitestgehend abgeschlossen ist, wir in Hessen aber immer noch auf unsere Vergütungsvereinbarung warten,

– in Hessen die Pflegedienste z.B. von den Ersatzkassen deutlich schneller und in deutlicher höherer Anzahl ihre Vergütungsvereinbarungen erhalten, als von der AOK,

– es immer noch keine Klarheit darüber gibt, wie die Nachberechnung bei den Kostenträgern ablaufen soll,

– die wenigen Vergütungsangebote der AOK augenscheinlich teils deutlich unter vergleichbaren Angeboten der Ersatzkassen bleiben, wenn man nicht bereit ist, eine auf Landesebene in der Arbeitsgemeinschaft ambulante Pflege nicht verhandelte Knebelvereinbarung zu unterschreiben,

– kann man als Dienst das zu niedrige Angebot nicht annehmen, häufig Nachweise gefordert werden, die weit über den Beschluss der AG ambulante Pflege hinausgehen (Leistungsübersicht, Deckungsbeitragsrechnung usw.) und das Verfahren damit weiter verzögert wird. Vertragspartnerschaftlich ist das nicht,

– wir nicht wissen, wie wir demnächst das Weihnachtsgeld auszahlen sollen, wenn sich die Refinanzierung noch weiter verzögert.

Unser Verband, hat auf Landesebene alles Mögliche versucht, um die Verfahren zu beschleunigen, ohne die berechtigten Interessen von uns Pflegediensten zu opfern. Wir sind wirtschaftlich am Ende und brauchen gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden jetzt eine schnelle und pragmatische Lösung. Auch die Versicherten wollen endlich wissen, welche Vergütung eigentlich gilt und ob die Versorgung weiterhin sichergestellt werden kann, wenn die Refinanzierung fehlt.

Wir sind davon überzeugt, dass die zuständigen Mitarbeitenden der AOK Hessen genauso intensiv an der Umsetzung arbeiten, wie bei den anderen Pflegekassen. Es kann also nur eine Fehlentscheidung bei der Personalbemessung auf Leitungsebene sein, wenn die AOK so erheblich hinterherhinkt. Wir erwarten, dass der verantwortliche Vorstand dafür Sorge tragen wird, dass wir und alle anderen von Ihnen betreuten Pflegedienste in den nächsten Tagen ein angemessenes Vergütungsangebot erhalten.

Pfleger mit Dokumentation

Was uns Pflegekräfte wirklich stört

Immer weniger wollen in der Pflege arbeiten. Ausgebildete Pflegekräfte hören sehr schnell nach dem Examen auf. Die Pflegeschulen sind leer, keiner will sich zur Pflegekraft ausbilden lassen.

Warum ist das so ? Hier erfahren Sie die Wahrheit.

Das größte Problem sind die Arbeitsbedingungen. Mit VIEL zu wenigen, muss die immer mehr werdende Arbeit erledigt werden! Die zum Sparen eingestellten Kontroller in den Kliniken, haben die Pflegekräfte weggerechnet. Die Anzahl der in den Krankenhäusern tätigen Pflegekräfte hat sich seit 1990 mind. halbiert!
Die Arbeitsbelastung steigt ständig, vor allem im Bereich der Dokumentation. Tätigkeiten, die früher selbstverständlich waren, wie das Lagern, Betten oder die Mobilisation usw., müssen heut aufwendig schriftlich dokumentiert und elektronisch erfasst werden. Die Dokumentation ist heute wichtiger als die eigentliche Pflegetätigkeit. Sie nimmt auch die gleiche Zeit in Anspruch. Wir Pflegenden verbringen mehr Zeit mit unsinnigen Schreibarbeiten, statt zu pflegen.

Ständige Überprüfungen vonseiten des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) oder Heimaufsicht oder Krankenkassen führen dazu, dass sich die Pflegekräfte gegängelt fühlen. Und glauben Sie bloß nicht, dass unsere Pflegeleistung am Patienten überprüft werden, nein, es wird fast ausschließlich die Dokumentation als Maßstab herangezogen. In Deutschland gilt man dann als gute Pflegekraft, wenn die Zettel vollgeschrieben sind und der Computer alles erfasst hat. Wir Pflegekräfte werden also nur für unsere Leistung als Bürokraten bewertet.
Diese Überprüfungen müssen aufhören! Was sind wir für eine Gesellschaft, wenn wir Pflegekräften nicht mehr vertrauen! Wen sollen wir dann noch trauen können, wenn nicht den Pflegekräften?

Das nächste Problem ist die Eigenverantwortung. Pflegekräfte in Deutschland dürfen im Grunde NICHTS selbständig entscheiden. Wir müssen ständig Verantwortung für Tätigkeiten übernehmen, die wir angeordnet bekommen.
Das gibt es so nur in der Pflege. In keinem anderen Beruf ist das so. Der Maurer bekommt zwar die Zeichnung vom Architekt, entscheidet dann aber selbst wie er welche Wand erstellt. Der Physiotherapeut bekommt zwar die Verordnung über Krankengymnastik vom Arzt, entscheidet dann aber selbst, wie er diese durchführt. Nur die Pflege darf nichts, ohne nachzufragen. Nicht mal ein Klistier bei Verstopfung.
Das ist wirklich lächerlich! Wir fragen uns ständig, warum wir alle 3 Jahre Ausbildung mit Staatsexamen machen müssen, um schließlich doch nicht selbständig arbeiten zu dürfen.

Ein weiteres Problem ist die fehlende Organisation der Pflegekräfte. Es gibt keine Berufsstandesvertretung. Wir können uns selbst nicht richtig vertreten und werden nie gehört, wenn Entscheidungen zur Pflege anstehen. Wir haben kein „Sprachrohr“, mit dem wir uns Gehör verschaffen könnten. Es gibt zwar zahlreiche Berufsverbände, die aber eher die eigenen Pfründe sichern, als sich wirklich um Pflege zu kümmern. Wir brauchen also dringend einen übergeordneten Verband aller Pflegekräfte, egal wo diese arbeiten. Jede Pflegekraft sollte einer solchen Organisation angehören, egal ob angestellt oder selbständig. Diese übergeordnete Organisation kann uns Pflegende gegenüber der Politik, den Krankenkassen, der Ärzteschaft und nicht zuletzt dem GBA (gemeinsamer Bundesausschuss Ärzte/Krankenkassen) vertreten und unsere Interessen durchsetzen.
Wir haben es satt, dass unsere Arbeitsbedingungen über unseren Kopf hinweg entschieden werden.

Und natürlich die Bezahlung! Das ist ja seit je her ein Streitthema. Wie hoch ist eine angemessene Vergütung für die Pflegetätigkeit?
Hier wird es Zeit das die Ausgaben der Krankenkassen zu denen kommen die tatsächlich am Menschen arbeiten. Und nicht wie jetzt, erst die Pharmaindustrie, dann die Kassen für sich selbst (jetzt sind bereits ca. 60 % der Einnahmen ausgegeben) der Rest ist für die Leistungserbringer, allen vorweg die Krankenhäuser und die Ärzte. Die ambulante Pflege, beispielsweise, rangiert mit ca. 0,05 % am Schluss der Ausgaben der Krankenkassen. Die Gesamtausgaben der Krankenkassen lagen 2020 bei ca. 440 Milliarden Euro. Für die ambulante Pflege wurden 7,5 Millionen ausgegeben, selbst Zahnersatz (nur Labor und Materialkosten, ohne die Behandlung) sind uns mit 7,8 Millionen Euro 300.000 Euro mehr wert. Allein daran erkennen Sie den Wert der Pflege in Deutschland.

Das soll fürs erste genügen. Es gibt sicher noch viel mehr Probleme, die gelöst werden müssen. Aber die meines Erachtens fünf wichtigsten habe ich aufgeführt. Um diese zu lösen, bedarf es ein Umdenken der Politik und der Kostenträger.
Ich fürchte allerdings, es wird sich nichts ändern, da wir Pflegekräfte einfach keine Menschen sind, die für Ihrer Rechte und Stellung in der Gesellschaft, kämpfen. Ich hoffe, ich irre mich.

Es wird bestimmt eine Fortsetzung geben. Schauen Sie hin und wieder mal vorbei.